SØ6
Ortsverband Dresden-Land
  • FUNKEN
  • WAS WIR SONST  MACHEN
  • ÜBEN
  •    EXPERIMENTIEREN
  •    BEWAHREN
  •    ERLEBEN
  • KONZENTRIEREN
  •    ENTWICKELN
  •    MESSEN
  •    NEUE WEGE SUCHEN
  •    ERKUNDEN
  •    VERSUCHEN
  •   FASZINIERT WERDEN
  •    GEMEINSAM ZIELE ERREICHEN
  •    KONSTRUIEREN
  • NATUR ERFAHREN
  •  SINNE ERWEITERN

Behelfsantenne für 160m

 

 

2013 wollte ich versuchen, DA0HQ auf allen Bändern zu arbeiten. Aber woher eine passende Antenne für 160m nehmen? Ein Dipolschenkel hat für 160m bereits eine Länge von über 41m. Diese Länge gibt mein Grundstück selbst in der Diagonalen nicht her. Ich habe damals meinen Trapdipol W8010 in eine T-Antenne verwandelt und als Gegengewicht den Schneckenzaun im Gemüsegarten zugeschaltet. Dann kam noch eine Verlängerungsspule und eine Mantelwellensperre an den Fußpunkt und das Ganze konnte dann mit kleiner Leistung, schlechtem SWR und wackliger Abstimmung auf 160m verwendet werden. Für 2 QSO mit DA0HQ hat es dank der guten Antennen in Ilmenau gereicht. Ende 2013 war ein Hexbeam über dem Trapdipol errichtet worden. Die 2013 gefundene Lösung funktionierte damit 2015 nicht mehr. Also musste 2015 etwas Neues her.

 

          Als Vorbild sollte eine Antennenkonstruktion dienen, die man häufig bei Flugfunkfeuern (NDB) findet. Ein nicht allzu hoher Mast erhält eine Dachkapazität und eine Verlängerungsspule. Die Vertikalantenne wird gegen ein Radialnetz betrieben. Die NDB senden im Lang- und Mittelwellenbereich. Sie sind als Navigationsfunkfeuer für den Nahbereich gedacht, können aber bei guten Bedingungen trotz ihrer zumeist bescheiden anmutenden Antennen weit gehört werden.  
         
   

Bild 1: Antenne des NDB Bautzen „BA“ - inzwischen ist das Funkfeuer leider stillgelegt

     

 

 

Aus Drahtresten und Platinenabfällen wurde ein kegeliges Gebilde von 1m Höhe und 1.20m Durchmesser zusammen gelötet. Leider ist die Idealform beim Aufbau im böigen Wind schnell verloren gegangen – einen Schönheitspreis sollte das für ein Wochenende gebaute Provisorium auch nicht bekommen. In der Spitze des Kegels wurde der Strahler angelötet, der aus 14m leichter Bundeswehr-Feldleitung bestand. Diese wurde um einen 12m Glasfibermast gewickelt. Als Gegengewicht fand wieder der Schneckenzaun Verwendung. Dieser grenzt ein Rechteck von 7x10m ein und besteht aus ca. 40cm breiten profilierten Blechen, die halb eingegraben sind.

    
         
     

Bild 2: Dachkapazität für meine 160-m-Antenne

 

 

 

Die erste Messung ohne Verlängerungsspule ergab eine breite Resonanz auf 3 MHz. Eine Abstimmung auf 1,8 MHz war mit dem ATU nicht möglich. Auf 3.5 MHz konnte abgestimmt werden und die Signale konnten mit dem 80m Trapdipol mithalten. Jetzt wurde eine Rollspule zugeschaltet, um zu sehen, wie weit sich das Gebilde ziehen lässt. Ergebnis war eine schmale Resonanz mit SWR > 3 die man bis auf 1,8 MHz ziehen konnte. So einfach kann man die professionellen Hersteller der NDB-Antennen wohl doch nicht imitieren. Das Radialnetz dieser Sender dürfte größer sein und die Verlängerungsspulen haben ein anderes Kaliber als meine Rollspule. Mit diesem Ergebnis wollte ich mich nicht zufrieden geben.

 

Was tun? Da nicht viel Zeit für weitere Experimente zur Verfügung stand, habe ich den Strahler von 14 auf 31m verlängert. Nun war der Mast aber wirklich zu klein. Also wurde der Strahler vom Mast abgewickelt und aus ca. 10,5m Höhe schräg bis zur Gartenecke heruntergezogen. Ein Holunderstrauch ermöglicht dort eine Abspannung. Von da ging es in 2m Höhe zurück zum Glasfibermast und an diesem herunter. Damit konnte die XYL ihren Garten wieder in allen Bereichen betreten und die Grundvoraussetzung für weitere Tests war geschaffen.

 

 

Die Vertikalantenne war nun der Form nach zu einer Kreuzung aus Vertikalantenne und Wimpelantenne („Pennant“) mutiert und die Kreuzung wurde auf den Namen Pennant-Vertikal getauft.

   
         

Bild 3 – Maße der Antenne

       

 


Die Öffnung des V zeigt in westliche Richtung. Die Fußpunktbeschaltung blieb unverändert, nur die Rollspule wurde durch ein kleines Kugelvariometer ersetzt.

 

 

Nun wurde erneut gemessen. Die Resonanz stand bei 2 MHz. Noch ein leichter Dreh am Kugelvariometer (auf 4,3 µH) und der Resonanzpunkt passte für 1.8 MHz.



     
         
       

Bild 4 – Fußpunktbeschaltung mit Schneckenzaunanschluss (Schraubzwinge und Kupferblech)

 

   
     
 

Bild 5: SWR-Messung der Antenne

 

 

Nun ein kurzer Test. Der Antennentuner sagt – klack – hier ist nicht viel abzustimmen. Das leere Band bietet nur S9+20 QRN an dem warmen schwülen Sommernachmittag. Ich muss bis zum Abend warten. Dann testen einige wenige Stationen für den Kontest am kommenden Tag. Das Band ist ruhiger geworden. Ich kann die testenden Stationen arbeiten. 50W reichen für CW. Mehr will ich dem kleinen Kern in der Mantelwellensperre und dem Kugelvariometer nicht zumuten. Alle Ops freuen sich über Testpartner, machen ein gemütliches QSO und wünschen einander viel Erfolg im Kontest.

 

Am folgenden Tag beginnt die IARU-HF-Weltmeisterschaft. Ich arbeite mich von 10m bis auf 40m herunter, warte bis es dunkel geworden ist und wechsle auf 160m. Dort kann ich der Reihe nach Punkte spenden. Für DA0HQ angle ich den Fußschalter unter dem Schreibtisch hervor und arbeite SSB und CW. Die übrigen 29 Stationen bekommen nur den CW-Punkt. Es geht wie am Fließband. Nur selten muss ich das Rufzeichen zweimal geben. Der Radius der gearbeiteten Stationen reicht von GR2HQ im Westen bis R3HQ im Osten. In Nord-Süd-Richtung wurden OH2HQ und LZ7HQ gearbeitet. Außer den HQ-Stationen kamen auch einige andere Konteststationen ins Log. Wenige sehr leise Stationen konnten nicht gearbeitet werden. Die V-förmige flache Abspannung im Strombauch bringt vermutlich ausreichend Steilstrahlung zustande. Gerade das Richtige für EU-QSOs. Gedränge herrschte auf 160m auch während des Kontests nicht. Was ich lesbar hören konnte, konnte ich mit dieser Antenne auch arbeiten – insgesamt waren es 30 Stationen in 40 Minuten. Mit etwas mehr Zeit für 160m wären sicher einige mehr möglich gewesen. Aber 40m lockte mit guten DX-Bedingungen.

 

Fazit: Ein DX-Wunder ist diese Antenne nicht geworden. Dieses Ziel kann bei den bestehenden Platzverhältnissen nicht erreicht werden. Für QSOs in EU und für das Sammeln von Multis im Kontest war sie gut geeignet. Für das nächste Jahr soll eine zusammensteckbare Dachkapazität aus Aluminiumdraht und eine stabile belastbare Fußpunktbeschaltung entstehen. Ziel ist es, eine 160-m-Antenne zu haben, die in maximal 30 Minuten aufgebaut werden kann und die reproduzierbar sicher im Europaverkehr funktioniert.

 

 

Update: 2.3.2016

Verbesserungen 2016

 

Zunächst wurde die Dachkapazität aus Draht gegen eine stabilere Konstruktion ersetzt. 8 dünne 1m lange Rohre aus Aluminium wurden mit ein paar Abschnitten aus kupferkaschiertem Material, Aluteilen einer ausgedienten Empfangsantenne (DX-1) und einem Stück Kupferrohr zu einer neuen Dachkapazität verarbeitet. Wer die Gelegenheit hat, sich eine geeignete Aufnahme für Al-Rohr oder dickeren Al-Draht drehen zu lassen, kann eine noch bessere Lösung erreichen.

Die Radiale sind mit Schrauben gesichert und können abgenommen werden. Die Dachkapazität wird auf das oberste Segment des Mastes gesteckt und mit einer passenden Schlauchklemme gesichert. Für den Strahlerdraht erhielt die Dachkapazität eine Buchse, so dass dieses Teil der Antenne schnell montiert werden kann.

 

 

 


    

 

Bild 6 
   

 

Bild 6: Dachkapazität aus dünnem Al-Rohr

 

 

Die neue Dachkapazität zieht den Resonanzpunkt bei gleicher Drahtgeometrie ebenfalls auf 2 MHz herunter. Um den Resonanzpunkt auf die Mitte des 160-m-Bandes zu ziehen, wurde hier eine Induktivität von 4,7 µH benötigt. Anstelle des Variometers trat eine Spule mit 13 Wdg. isolierter Litze auf 42 mm HT-Rohr. Sie musste etwas auseinander gezogen werden. (Durchmesser der Litze mit Isolation 3,1 mm). Die Mantelwellensperre wurde ebenfalls „ertüchtigt“ - hier kam ein Bausatz von DG0SA zum Einsatz (Bausatz Balun 1:1 mit AWG 18 Litze, versilbert, PTFE isoliert, 800 Watt, undefinierte Impedanz ). Die Mantelwellensperre wurde gemeinsam mit der Verlängerungsspule, dem PL-Stecker und 2 Buchsen für Strahler und Radialanschluss auf eine robuste Platte montiert. Die anschließende Messung des SWR zeigte keinerlei Änderungen gegenüber Bild 5.

Eine Teilnahme am CQ WW 160 m CW-Kontest war leider wegen anderer Verpflichtungen nicht möglich. So wurde die Antenne beim CQ WW 160 m SSB-Kontest ausprobiert. Mit PA konnte sie bis zum „legal limit“ ohne Probleme belastet werden. In ca. 3 Stunden wurden auf 160 m 77 Stationen erreicht. Die Reichweite beschränkt sich im wesentlichen auf Europa. Die konstruktiven Nachteile können natürlich nicht durch „Power“ beseitigt werden. Mit der zerlegbaren Dachkapazität und den übrigen Teilen wartet meine „Punktespender-Antenne“ nun in einem Karton auf ihren nächsten Einsatz. Auf- und Abbau sind jetzt, wie geplant, in ca. 30 Minuten erledigt.

 

Matthias, DD7NT

 

 

- Website S06 | REDAXO 4.3.1 | Webmaster DL9NL