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Störungssuche auf 80m

 

 


Ich habe in unserem Ort einen vergleichsweise ruhigen und störarmen Funkstandort. Im März 2015 war es damit zumindest im 80m Band und partiell auf 40m damit erst einmal vorbei. Breitbandiges Rauschen und Knistern machte sich breit. In der sonntäglichen OV-CW-Runde auf 80m konnte ich die Rundenteilnehmer – alle im Nahbereich – nur mit einiger Mühe oder gar nicht mehr aufnehmen. Mit dem kleinen SDR-Empfänger SDR-IQ und der Spectravue-Software [4] konnte man die Störung gut erkennen:

 

   

 

 

 

 

 

    Bild 1: Störspektrum im Wasserfall am SDR-IQ

 

 

 

Das Rauschen und die knisternden Geräusche lagen ca. mit -84 dBm etwa 26 dB über dem sonst an guten Tagen mit -110 dBm (etwa S3) beobachteten Bandrauschen. Das sind mehr als 4 S-Stufen gemessen auf 3550 kHz im Resonanzpunkt der Antenne. Mitunter stieg der Störpegel auf S9. Als Antenne wurde ein 22m langer Trapdipol mit Strahlrichtung 30 / 210 Grad verwendet. Die Störungen waren zwischen 2 und 7 MHz zu beobachten.

 

Als erstes prüfte ich meine eigenen Geräte. Mit SDR-IQ am Laptop und Batterieversorgung schaltetet ich alle Verbraucher und die Heizung der Reihe nach am Sicherungskasten aus. Es ergab sich keine Veränderung.

 

Der Verdacht fiel auf eine kürzlich in Betrieb gesetzte Solaranlage, die wenige Häuser weiter entstand. Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Zeitpunkt an dem die Störung erstmals auftrat „passten“. Die Besitzer der Anlage waren so freundlich, die Anlage testweise kurz außer Betrieb zu nehmen. Es ergab sich keine Änderung, der Wechselrichter der Anlage war korrekt entstört worden. Nun war Suchen angesagt.

 

 

Aufbau von Suchequipment

 

 

Ich besitze einen kleinen breitbandigen Empfänger zur Suche lokaler Störquellen [2]. Dieser erwies sich jedoch als zu unempfindlich für den vorliegenden Fall. Im Nahbereich leistet er gute Dienste.

 

Deshalb baute ich zunächst das Eingangsteil des AATIS Peilempfängers [1] bis zum BF245 nach und setzte dahinter einen Impedanzwandler. Als Antenne wurde eine Koaxschleife angeschlossen. Das Ausgangssignal dieser Antennenkonstruktion wurde dem SDR-IQ zugeleitet. Das Signal war immer noch zu schwach. Nachdem ich den BF245 durch einen J310 ersetzt hatte, kam Leben in das Konstrukt. Man konnte die Störung gut erkennen aber nicht peilen, da sie über das Stromnetz „von überall her“ kam. Die ein wenig sperrige Loop leistete keinen Beitrag zur Richtungserkennung und die Abstimmung der Antenne war ohne Spreizung zu empfindlich.

 

Daher ersetzte ich den Aufbau gegen eine Mini-Whip nach PA0RDT [3], die ich vor langer Zeit einmal gebaut hatte. Diese kam auf einen Bambusstab. Da sie mit 9V bei 36mA Stromaufnahme noch ausreichend gut funktionierte wurde eine Blockbatterie an die Speiseweiche geklemmt, ein Minitaster kam an das untere Ende des Bambusstabes mit dem die Batterie nur zum Messen zugeschaltet wurde.

 

                                 

 

 

 

                           

Bild 2: Störsuchset: SDR-IQ + MiniWhip  

                                                                                       
 

 

Mit Batterie, Speiseweiche und SDR-IQ im Rucksack, dem Laptop und dem Bambusstab mit Antenne in der Hand ging es nun auf Suche. Der SDR-IQ ist sparsam und kann über USB von der Batterie des Laptops mit versorgt werden.
Da die Stromversorgung in unserem Ort in einigen Abschnitten noch oberirdisch an Holzmasten verläuft, bin ich zunächst den Leitungen von meinem Grundstück aus nachgegangen. Nach Osten, Süden und Westen war auf der Leitung eine langsam abfallende Intensität der Störung zu beobachten. Kurz hinter dem Leitungsende am Ortsrand herrschten normale Verhältnisse. Nach Norden hingegen wurde das störende Rauschen stärker und war auch abseits der Leitung nachzuweisen. Da die Hausanschlusskästen an der Grundstücksgrenze standen, konnte das HF-einspeisende Gebäude bald gefunden werden. Insgesamt ist die Störungssuche bei teils oberirdisch, teils erdverlegten Leitungen nicht einfach. Der Abstrahlungsort muss nicht mit dem Entstehungsort der Störung identisch sein. Ohne eine feine Quantifizierung des Signalpegels mit der Pegelanzeige der zum SDR-IQ gehörenden Spectravue-Software wäre eine zielgerichtete Suche schwierig gewesen.

 

 

      

 

 

 

 

 

   Bild 3 : DD7NT auf Störsuche an den Hausanschlusskästen

 

 

Mit Unterstützung des betreffenden Nachbarn wurde als erstes ein Schaltnetzteil eines WLAN-Repeaters als „laut“ erkannt. Der Austausch der geplatzten Elkos in diesem Netzteil führte zunächst zum Wegfall des knisternden Geräuschs. Das Rauschen im 80m Band war aber nicht beseitigt. In den nächsten Tagen stieg der Störpegel weiter bis -60 dBm an und toppte damit das Grundrauschen nun um 8 S-Stufen. In einer zweiten Suchaktion wurde dann das Schaltnetzteil eines Netzwerkswitches durch „Probeabschalten“ diverser Verbraucher als Verursacher gefunden. Es war beim Nahtest mit dem Breitbandempfänger unauffällig gewesen.

 

 

 

 

 

 

Bild 4: Störverursacher Schaltnetzteil HK-075-01

 
 

 

 

Nachdem das störende Netzteil getauscht war, habe ich mir das defekte Gerät angesehen. An den Elkos war zunächst nichts auffälliges zu bemerken. Auf der Platinenunterseite waren jedoch Elektrolytreste zu erkennen. Die Steuerung des Gerätes übernimmt der Schaltkreis CR6203T. Im Datenblatt des in China gefertigten Schaltkreises gibt es ein Applikationsschaltung für Schaltnetzteile. Diese sieht die Verdrosselung der Netzseite mit einer stromkompensierten Drossel natürlich vor. Im fertigen Gerät sucht man sie vergeblich. Das Gerät ist MAS – minimal (un)Art Session – ein 10uF Elko netzseitig und 470uF sekundär sollen allein die EMV-Verträglichkeit sichern. Die Lötstellen und die sonstigen Fertigungsmerkmale sagen auch einiges über den niedrigen Fertigungsstandard aus, mit denen dieses Gerät fabriziert wurde.

 

Ausblick

 

Ich werde meinen Störsuchset wohl nicht zerlegen. Wenn ich sehe, wie viele Steckernetzteile bei mir selbst und in der Nachbarschaft in Betrieb sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder eines davon Störungen verursacht. Dann muss ich wieder auf das Entgegenkommen und die Freundlichkeit meiner Nachbarn setzen, damit diese mit mir bei der Suche nach dem Störenfried kooperieren. Für sie ist das Problem nicht so gut nachvollziehbar wie für mich. Sie haben ein Gerät mit CE-Zeichen erworben, dem ein kleines Steckernetzteil beilag und das arbeitet zuverlässig. Störungen treten bei Ihnen nicht auf, fallen nicht auf oder können nicht zugeordnet werden. Nun kommt da einer und will ihnen einreden dass bei ihnen ein Gerät defekt ist. Hier hilft der kleine Breitbandempfänger. Wenn sie selbst im Kopfhörer hören können was in ihrer Wohnung brummt zischt und pfeift – ahnen sie etwas vom Innenleben ihrer Geräte.

Schade ist es, dass auch einheimische Hersteller solide gebauter elektronischer Geräte als Stromversorgung Schaltnetzteile bestellen und beilegen, deren Fertigungs- und Sicherheitsstandard auf dem alleruntersten Niveau rangiert. Die Hauptsache billig, es wird schon keiner merken... Wir Funkamateure sollten dafür sorgen, dass es doch bemerkt wird !

 

Immer störfreie Bänder und kooperative Nachbarn, wenn es doch mal stört, wünscht

Matthias, DD7NT

 

Verweise und Quellen

 

 

[1] AATIS Peilempfänger: 

http://www.aatis.de/content/sites/default/files/80m%20Peilempf%C3%A4nger%20mit%20RahmenantenneBausatzCD_new.pdf

 

[2] Störquellen-Suchempfänger für den KW- und UKW-Bereich, Arno Weidemann DL9AH in Funkamateur 08/2008 S. 849

 

[3]MiniWhip nach PA0RDT
www.qsl.net/g4ayt/miniwhip.html

 

[4]SDR Empfänger SDR-IQ / Spectravue Software

http://www.moetronix.com/

 

 

 

 

 

 

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